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Zwischen den Stühlen - Chinas Sudanpolitik

  • asia arab monitoring
  • 24. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Ein Thinktank der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) berichtete, dass Abu Dhabi bei einer Reise des chinesischen Außenministers und Politbüromitgliedes, Wang Yi, die Unterstützung Pekings im Sudankonflikt im Rahmen der VN erbeten habe. Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten nehmen seit einigen Jahren an Fahrt auf. Eine entsprechende Kooperation auf diplomatischem Gebiet, auch wenn die VN momentan paralysiert erscheint und ihr wichtigstes Instrument das Monitoring von Konflikten bildet, wäre durchaus logisch.


Die Realität sieht anders aus. Im Sudan stehen sich die VAE und Saudi Arabien gegenüber. Abu Dhabi unterstützt die aus den Stämmen des Westsudans (Darfur) hervorgegangen Rapid Support Forces (RSF), Riad die sudanesische Armee unter Führung des General Burhan. Dazwischen gibt es noch einige andere Kräfte, die in den internationalen Berichten weniger zur Sprache kommen. Die RSF verfügen über einige Waffen aus chinesischer Produktion; die sudanesische Armee ist an Waffenlieferungen aus China interessiert. Burhan nahm im vergangenen Jahr an Pekings Afrikagipfel teil. Zu dem Zeitpunkt befand sich die Hauptstadt in den Händen der RSF. Politisch nimmt Peking Rücksicht darauf, keine der beiden Golfmächte, zu denen es wirtschaftlich vorteilhafte Beziehungen unterhält, zu verärgern. Eine deutliche Unterstützung einer der beiden Positionen ist daher nicht zu erwarten.


Sudan hatte für die Volksrepublik in den 1990er Jahren durchaus Bedeutung. Peking nutzte das Vakuum, das westliche Staaten aufgrund der politischen Situation - darunter die Gewährung des Aufenthalts von Usama bin Laden durch eine islamistisch inspirierte Regierung - hinterließen, um in das Ölgeschäft einzusteigen. Zwischenzeitlich war der Einfluss derart groß, dass Peking bei der Abtrennung des Südens eine bedeutende, vermittelnde Rolle einnahm. Mittlerweile ist Sudans Nutzen für China begrenzt. Bei den Initiativen zu einem Waffenstillstand fällt Peking nicht auf (der chinesische Botschafter in Kairo nahm neben einer Reihe anderer zuletzt im Januar an einer weiteren wirkungslosen Konferenz in Ägypten teil). Seit dem Jahr 2022 wurden auch auf der Webseite von Pekings Botschaft im Sudan keine Nachrichten auf der Seite zu den bilateralen Beziehungen mehr gepostet.


Die Denkfabrik Atlantic Council beschrieb Wang Yis Besuchsreise im Mittleren Osten im Dezember, in dessen Rahmen auch das Gespräch in Abu Dhabi erfolgte folgendermaßen: "Wang Yi’s MENA tour was long on messaging, short on outcomes"(1). Das trifft es einerseits auf den Punkt und spiegelt zugleich nicht die ganze Realität. Hinter den langen Botschaften verbirgt sich der Versuch der Nichtfestlegung, um ausschließlich eigene Interessen zu verfolgen zu können.


Das Beispiel zeigt zudem, wie sehr China zunehmend in eine komplexe, unübersichtliche Situation hineingezogen wird, die nicht nur den Staat Sudan mit seinen unterschiedlichen Ethnien, sondern insgesamt die geographische Region Sudan einschließlich der Sahelstaaten beeinflusst. Ähnlich wie in den 1990er Jahren nutzen insbesondere chinesische Parteistaatsunternehmen den Rückzug westlicher Konkurrenten, die aufgrund von geopolitischen Veränderungen oder im Zuge von Risikoerwägungen die Region verlassen. Ob sich diese Investitionen am Ende tatsächlich auszahlen, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. In der Zwischenzeit werden die ethnisch-, religiösen- und politischen Spannungen, die oberflächlich in Phänomenen, wie dem Erstarken terroristischer Gruppen sichtbar werden, eher anschwellen als abnehmen.


 
 
 

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