Chinas gefährdete Risikodividende in Mali
- asia arab monitoring
- 3. Mai
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Neben dem Irankonflikt weisen auch die Entwicklungen im Sahel, in der vergangenen Woche besonders in Mali, auf die Verwundbarkeit chinesischer Wirtschaftsinteressen hin. Die erfolgreiche Offensive von Tuareg Milizen und islamistischen Kämpfern, die verschiedene Städte in ihre Gewalt brachten, den Verteidigungsminister töteten, Soldaten des russischen Afrikakorps aus ihren Stützpunkten drängten und die Versorgung der Hauptstadt Bamako bedrohten, zeigte erneut deutlich die Schwäche der durch einen Putsch an die Macht gekommenen Militärregierung, die neben Russland auch von China unterstützt wird. Entsprechend gab die chinesische Botschaft zum wiederholten Mal eine Warnmeldung an ihre mehrere Tausend Staatsangehörige heraus, die Lage genau zu verfolgen und generell von Reisen in das Land abzusehen.
Überraschend ist die Entwicklung nach vergangenen Operationen der Terrorgruppe JNIM nur bedingt1. Am ehesten fällt die Schnelligkeit auf, mit der die ideologisch eigentlich konkurrierenden Gruppen nun Teile des Nordens in ihre Gewalt bringen konnten. Für die Volksrepublik dürfte die Situation jedoch wenig vorteilhaft sein. Zwar befinden sich die beiden größten Investitionen chinesischer Unternehmen (Zijin/ Gold und Ganfeng/ Lithium) im bislang nicht betroffenen Süden und Südwesten des Landes, aber einige Angriffe fanden nicht allzu weit von den Goldminen entfernt statt 2. Vielmehr ist es die Instabilität des Putschistenregimes, die die Investitionen Chinas und weitere Geschäfte gefährdet. Neben den Rohstoffunternehmen konnte der mit der KP-Elite liierte chinesische Rüstungskonzern Norinco durch die Nähe zum malischen Regime seine Waffen vermarkten. Peking hat sich gut auf die durch einen Coup an die Macht gelangte Junta eingestellt. Interessant wird sein, ob sich diese Wette auch längerfristig auszahlt. Zudem ist es nicht nur Mali, das aus verschiedenen Gründen in eine riskante Situation abgleitet. Auch der eigentlich eng mit China vernetzte Sudan kann seinen Staatsbürgern keine Stabilität mehr liefern.
Neben der deutlich veränderten Situation im Norden des Landes weist die Offensive auf einen weiteren Aspekt hin. Die westliche Terrorismusanalyse arbeitet häufig mit von einander abgegrenzten und zum Teil verfeindeten Gruppen, etwa al Qa'ida gegen ISIS. Die im Sahel operierende JNIM dagegen ist bereits eine Koalition verschiedener dschihadistischer Gruppen mit unterschiedlicher lokaler Verortung. Ihr Führer, Iyad Ag Ghali, der im nun eroberten Kidal geboren wurde, wirkte einst als Söldner in Libyen und als Diplomat in Saudi Arabien. Erst zu einem späteren Zeitpunkt näherte er sich einer dschihadistischen Agenda an. Er ist eigentlich, wie auch andere Persönlichkeiten aus dem Umfeld terroristischer Gruppen in Libyen, ein Beispiel für die Vermischung ganz unterschiedlicher Motive, darunter religiöse, nationalistische, ethnische und pekuniäre. Diese wechselhaften Interessen bestimmen die jeweilige Gruppenausrichtung. In einigen Fällen waren in der Vergangenheit deutlich wirtschaftliche Gesichtspunkte - etwa die Beherrschung von Schmuggelrouten oder das Geschäft mit Geiseln - ausschlaggebende Elemente. Das aktuelle Beispiel einer Kooperation eigentlich 'verfeindeter' Gruppierungen in Mali ist daher in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich.
2 Siehe hierzu: https://www.criticalthreats.org/analysis/fall-of-northern-mali-jnim-fla-offensive-russia-issp-camara


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