Japan und der Iran-Konflikt
- asia arab monitoring
- vor 7 Tagen
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Während der Angriff der USA und Israels auf den Iran ein Schlaglicht auf die Beziehungen zwischen dem Regime in Teheran und China, das seinem vermeintlich engen Verbündeten außer mit Verurteilungen kaum zur Hilfe eilt, wirft, ist der Blick auf Japan gleichermaßen interessant. Er zeigt seine Verwundbarkeit als Juniorpartner einer unsteten Großmacht und zugleich schwächelnder Konkurrent einer weiter an Stärke gewinnenden Volksrepublik China.
Als rohstoffarmes Land ist Japan fast vollständig auf Öl- und Gasimporte angewiesen, davon teilweise über 90 Prozent aus Ländern des Mittleren Ostens. Zumindest Anfang April sah sich die japanische Regierung dennoch von der Krise um den Iran weniger betroffen. Japan verfüge über die notwendigen Ressourcen und Alternativen (PM Takaichi am 02.04. vor dem Parlament). Zugleich reagierte sie auf steigende Benzinpreise mit Subventionen. Der japanische Außenminister und Schwergewicht innerhalb der Liberaldemokratischen Partei, Motegi Toshimitsu, telefonierte dennoch in den letzten Wochen mehrfach mit seinem iranischen Amtskollegen, um für die Freigabe von für Japan bestimmte Tanker einzutreten. Gleichermaßen beschäftige das Thema auch die Premierministerin, die am 08. April mit dem iranischen Präsidenten sprach. Sie versuchte offensichtlich auf Teheran einzuwirken, um dem Vorschlag Pakistans zur Waffenruhe zuzustimmen. Mittlerweile trifft die Regierung Vorwürfe, keine konsistente Haltung in der Frage zu haben und die Gefahr zu unterschätzen. Auch die Subventionen werden selbst innerhalb der LDP bezweifelt.
Dabei wird in Tokio darauf verwiesen, dass Japan immer freundschaftliche Beziehungen zum Iran unterhalten habe. Ein Grund für diese im 'westlichen' Lage etwas eigenständige Haltung dürfte sein, dass der Inselstaat schon früh die Konkurrenz zur Volksrepublik bei der Exploration von Ölfeldern im Iran wahrnahm und seine eigenen Interessen nicht aus den Augen verlor. Ohnehin genießt Tokio in vielen Ländern des Mittleren Ostens hohes Ansehen. Seine zurückhaltende Politik auf Augenhöhe und wirksame Entwicklungsleistungen kommen gut an. Eine zu große Nähe zu den Vereinigten Staaten, die sowohl unter demokratischen als auch republikanischen Administrationen über Jahre an Anziehungskraft verloren, ist dagegen für Japan nicht unbedingt vorteilhaft.
Die Auswirkungen der Blockade der Straße von Hormus werden in Japan, das zuletzt nicht nur ein Budget mit der bislang größten Schuldenbelastung auflegte, zugleich die Bevölkerung mit Steuerermäßigungen entlasten und den Rüstungshaushalt deutlich ausweiten will, spürbar sein. Das ist jedoch nur ein Element in den aktuellen Entwicklungen. Premierministerin Takaichi hat in Treffen mit dem US- amerikanischen Präsidenten diesem in einer Weise geschmeichelt, die selbst in dem normalerweise zurückhaltenden Japan zu Stirnrunzeln führte. Welche Bedeutung Japan für Trump hat, zeigte dagegen unter anderem seine Aussage, dass eine Vorabinfo zu dem Angriff auf den Iran nicht nötig gewesen sei. Japan habe die USA ja auch nicht über den bevorstehenden Angriff auf Pearl Harbour 1941 informiert. Als dann der Iran seine Kontrolle über die Straße von Hormus ausspielte, sollte - neben der NATO - Japans Marine nach Ansicht des US- amerikanischen Präsidenten aushelfen. Das erlauben japanische Gesetze erst nach Beendigung der Kampfhandlungen.
Vor dem Hintergrund des Iran- Konfliktes wird auch an eine Diskussion erinnert, die in den USA regelmäßig geführt wird und die sich mit der Frage beschäftigt, ob der Schwerpunkt US- amerikanischer Interessen am Pazifik oder am Atlantik liege. Zuletzt, eher ein Steckenpferd der Demokraten, lag der 'pivot in asia'. Auch hier ging es in erster Linie um China, das nun schon seit längerem als Bedrohung wahrgenommen wird. Mittlerweile zeigt die US- Administration, auch durch ihre Haltung gegenüber der NATO, dass sowohl die asiatischen als auch die europäischen Partner gleichermaßen unbedeutend für sie nur noch als Abnehmer ihrer Waffen oder als Mittel zur Erreichung ihrer eigenen strategischen Ziele einen Mehrwert haben.
Vergleicht man dagegen in der aktuellen Situation die Auswirkungen auf die konkurrierenden ostasiatischen Staaten, so scheint die Volksrepublik in einer vorteilhafteren Position. Es ist 'nur' zu 70 Prozent von Ölimporten abhängig, davon etwa 40 Prozent aus dem Mittleren Osten. Es kann auf Russland, das ebenfalls höhere Gewinne erzielt, als Lieferant zurückgreifen. Für ein halbes Jahr hat Peking Reserven angelegt. Außerdem verfügt es über Ressourcen im Westen das Landes, die bislang eher zurückhaltend gefördert wurden. Dennoch sind die Preissteigerungen in China in den letzten Wochen höher als in Japan. Anders als Deutschland wird Japan energiepolitisch auf das Wiederhochfahren seiner stillgelegten Kernkraftwerke setzen. Insgesamt erscheint die Volksrepublik jedoch als Land von der Größe eines Kontinents, mit einer Fülle von Ressourcen und über einer Milliarde zum Teil sehr gut ausgebildeter Menschen, das zudem auf eine größere Diversifizierung ihrer Energieträger hinarbeitet, gegenüber Verwerfungen, wie der aktuellen, resilienter. Außerdem dürfte sich die KP in ihrer auf zunehmende Autarkie setzenden Wirtschaftspolitik bestätigt fühlen.

Während auch Japan sich gegenüber Teheran für einen Waffenstillstand einsetzte, ist die Berichterstattung dazu japanischen Medien vorbehalten. International wird der Einfluss Chinas bei dessen Annahme durch den Iran hervorgehoben. Es ist eine deutliches Zeichen dafür, dass Peking im Mittleren Osten sukzessive seinen Einfluss ausweiten kann. Krisen, wie die aktuelle, flankieren die Entwicklung und schwächen jene, die in dem Lager verortet werden, denen eine Verschärfung der ohnehin fragilen Lage in der Region vorgeworfen wird.
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