top of page

Chinas Vorschlag einer Hafenunion

  • asia arab monitoring
  • 21. März
  • 3 Min. Lesezeit

Das Monatsmagazin 'Quishi' (übersetzt etwa 'Suche nach Wahrheit') der chinesischen KP ist mit seinen Texten in bürokratischem Parteichinesisch eine eher langweilige Lektüre. Sie dient der Indoktrination der Kader und als Messpegel für manchen Chinawatcher. Die aktuell letzte Ausgaben ist aber dennoch lesenswert, enthält sie doch einen Ausschnitt einer internen Rede Xi Jinpings vor dem Wirtschafts- und Finanzkomitee des ZK's der KP, die er bereits Mitte vergangenen Jahres hielt1. Er beschäftigte sich darin mit Chinas maritimen wirtschaftlichen Interessen und schlug eine engere Vernetzung globaler Häfen im Rahmen der Neuen Seidenstraßeninitiative vor. In Chinas Geschichte seien die Ozeane schon immer wichtig gewesen. Entsprechende Bedeutung hätten sie auch heute für seine wirtschaftliche Entwicklung. Die Ausführungen enden in der Vorstellung verschiedener Projekte, darunter den Aufbau einer Internationalen Hafenunion im Rahmen der Seidenstraße (国际港口联盟).


Verschiedene Aspekte erscheinen aufschlussreich, auch im Hinblick auf innere Handlungsmuster der KP. Die Veröffentlichung der Rede just zu einem Zeitpunkt, da die Seewege durch den Angriff auf den Iran gefährdet erscheinen, dürfte kein Zufall sein. China kann sich als konstruktive Gestaltungsmacht präsentieren. Xi Jinping lobte zudem eine frühere Initiative, die die Provinz Fujian ins Leben rief (maritimes Fujian/ 海上福建). Als ehemaliger Verantwortlicher für Fujian gebührt das Lob ihm selbst. Auch ein historischer Rückgriff auf den berühmten Admiral und Eunuchen Zheng He, der im 14. Jahrhundert die damals wahrscheinlich größte Flotte der Welt befehligte, darf nicht fehlen. Nur hat sein Kaiser mit dem Abenteuer kurzen Prozess gemacht und Schiffe, Pläne und Karten - ein immenser historischer Verlust - verbrennen lassen. Danach war das Reich der Mitte bis in das 21. Jahrhundert keine Seemacht mehr.


Die Rede, die mit Verzögerung nun von der zentralen Parteizeitschrift aufgegriffen wird, kann auch diejenigen bestätigen, die in Chinas maritimen Ambitionen einen strategischen Ansatz sehen. Eine Hafenallianz unter chinesischer Patronage mag dabei einen weiteren Baustein darstellen. Dabei ist jedoch etwas Vorsicht geboten. Im Mittleren Osten und seinen Randgebieten sind insbesondere chinesische Parteistaatsunternehmen und regionale Akteure an zahlreichen Hafenprojekten beteiligt. Sie sind in sehr unterschiedlicher Weise über einen längeren Zeitraum zustande gekommen. Einige wie im Oman und Ägypten blieben bislang hinter den Erwartungen zurück. Bei einigen, etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wurden militärische Absichten befürchtet, die über US- amerikanische Medien auch in der Öffentlichkeit bekannt wurden. In einem der wichtigsten Häfen und einem sehr früh begonnenen Projekt, dem Hafen Gwadar in Pakistan, geht es ebenfalls nicht voran und führt zu deutlichen Frustrationen. Unter Xi ist alles unter den Hut der Neuen Seidenstraße gekommen.


Die KP hat vor Jahren, deutlich vor dem Machtantritt Xi Jinpings, seine Unternehmen in die Welt geschickt, um Geld zu verdienen. Diese 'Strategie' nannte sie 'Nach Außen gehen' (走出去) oder aufs Meer gehen (出海). Wo dies in Projekte umgesetzt wurde, hing letztlich von den Empfangsstaaten ab. Im Iran beispielsweise gab es lange Zeit kein derartiges 'strategisches' Vorhaben. Das Vorgehen war, wie wirtschaftliche Aktivitäten generell, von Erfolgen und Misserfolgen geprägt. Jetzt, da chinesische Konzerne wie COSCO oder China State Construction Engineering sich ausgebreitet haben, bietet sich an, einen Masterplan zu erkennen. Allerdings erinnert dies etwas an ein Phänomen des kolonialen Zeitalters als die Flagge dem Handel folgte.


Das jetzige Beispiel, der Vorschlag einer Hafenunion im Rahmen der Neuen Seidenstraßeninitiative, fügt sich dort ein. Der Zeitpunkt für neue Ideen, die Alternativen zur Disruption von Seewegen bieten, ist günstig. Am Beispiel des Mittleren Osten sieht man, dass China bei Hafenprojekten Einfluss besitzt und Interessen zu wahren hat. Arabische Staaten selbst profitieren davon. China dagegen kann ohne große Mühe sein Image als verantwortungsvolle und konstruktive Großmacht weiterspinnen. Sie muss wenig Konkurrenz fürchten.


 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
Falsche Freunde - China und der Iran

Als vermeintlich enger Partner beeinflusst der Angriff Israels und der USA auf den Iran am Rande auch die Beziehungen zwischen Teheran und Peking. China-kritische Beobachter, die auf den Sturz der KP

 
 
 

Kommentare


KONTAKT

Adresse: Beethovenstr. 154, 14513 Teltow

Tel.:  +49 (0) 1515 6167447

Stellen Sie sich direkt mit uns in Kontakt:

Danke für die Nachricht!

© 2023 Website-Name. Erstellt mit Wix.com

bottom of page