Chinas Forendiplomatie - Ein kurzer Realitätscheck
- asia arab monitoring
- 10. Juni
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Die Verschiebung des für den Juni erwarteten zweiten chinesisch- arabischen Gipfels ist eigentlich keine Nachricht, da kein Datum für den Gipfel kommuniziert wurde und demnach auch nicht die vorläufige Absage1. Mit Blick auf die Situation in der Region erscheint das Vorgehen naheliegend. Warum sollte es dennoch interessieren?
Für Peking sind derartige Spitzenforen, vorzugsweise unter Ausschluss nicht- westlicher Industriestaaten, ein wichtiges Element seiner Außen- und Wirtschaftspolitik. In denen letzten Jahren haben sie ständig an Zahl zugelegt. Einige wie das zunehmend von der Volksrepublik dominierte BRICS- Format werden als Versuch gewertet, die Führerschaft in dem sogenannten Globalen Süden einzunehmen. Umso interessanter wird es dann, wenn Dinge ins Straucheln geraten.
Die Verschiebung des zweiten chinesisch- arabischen Gipfels erscheint aufgrund der aktuellen Situation schnell nachvollziehbar. Es könnte jedoch auch argumentiert werden, dass ein derartiges Treffen mit dem wichtigsten Wirtschaftspartner des Iran, der von allen Staaten am meisten Einfluss auf Teheran ausüben könnte, durchaus gelegen käme. Darüber, ob die zunehmenden Differenzen zwischen einigen Golf- arabischen Staaten eine Rolle spielten, kann hier nur spekuliert werden. Die Zeiten stehen momentan eher schlecht für nach Außen getragene demonstrative Einheit. Der Gipfel wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Dennoch bietet sich eine Momentaufnahme der Schwäche der eher wirtschaftlich ausgerichteten chinesischen Forenpolitik angesichts unterschiedlicher politischer Strömungen.
Ein Vergleich mit anderen Foren macht dies vielleicht deutlicher. In der ursprünglich einmal sicherheitspolitisch ausgerichteten Shanghai Cooperation Organization (SCO) ist der Iran eines der Ständigen Mitglieder. Die Volksrepublik hat die Organisation in den letzten Jahren für eine Reihe von Dialogpartnern geöffnet, darunter mehrere arabische Staaten. Wie im Falle Chinas, Indiens und Pakistans sitzen immer mehr Vertreter von Staaten am Tisch, die sich gegenseitig feindliche Absichten vorwerfen.
Bei den BRICS wird es angesichts der aktuellen Krise vielleicht noch deutlicher. Neben dem Iran nehmen mittlerweile die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten an dem Forum teil. Abu Dhabi ist momentan eine der treibenden Kräfte, die Pasdaran in Teheran ein für alle Mal auszuschalten.
Die Forenpolitik der Volksrepublik ist eine Schönwetterangelegenheit, die sich vorwiegend wirtschaftspolitisch vorteilhaft auswirkt. Die wohlfeil formulierten Protokolle verschleiern unterschwellige, ernsthafte Differenzen und die daraus entstehenden Konsequenzen. Die iranischen Raketen- und Drohnenangriffe auf Ziele in den Golfstaaten trafen - neben den allgemeinen Auswirkungen auf die Rohstoffimporte - auch Infrastrukturprojekte, in die China involviert ist. Bekannt wurden ein Hafenprojekt in Kuwait, das beschossen wurde. Der Angriff auf den Khalifa Hafen in den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte auch Auswirkungen auf den dort gelegenen China-UAE Industrial Capacity Cooperation Industrial Park. Ebenso wurden die Arbeiten am China-Oman Industrial Park in Hafen von Duqm vom iranischen Vorgehen beeinträchtigt. Zudem war auch Chinas Schifffahrt betroffen. Angesichts dieser Vorgänge erscheinen die chinesischen Aufrufe zur Mäßigung eher hilflos.
Während multilaterale Foren durch die jetzigen Situation beeinflusst werden, betrifft dies die bilateralen Beziehungen kaum. Hier gelingt es Peking weiterhin seine Interessen über Frontlinien hinweg geschickt zu verfolgen. Die jüngsten, parallelen Kontakte sowohl mit Saudi Arabien, den VAE und Iran belegen dies.
1 Der chinesische Botschafter in Katar bestätigte die Absage mit dem Hinweis auf die Situation in der Region. Siehe: https://qna.org.qa/en/news/news-details?id=2nd-arab-chinese-summit-postponed-until-further-notice&date=17/05/2026

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