China und das Mekka-Verteidigungsabkommen
- asia arab monitoring
- 27. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Eine der interessantesten sicherheitspolitischen Reaktionen auf die jüngste Krise im Mittleren Osten dürfte das ‚Mekka- Abkommen‘ sein, in dem sich Saudi-Arabien, Pakistan und die Türkei zu militärischem Beistand verpflichten. Der Text des Abkommens ist bislang nicht zugänglich, umso umfangreicher sind die Interpretationen. Offizielle Stellungnahmen zu dem Abkommen sind rar. Auch das chinesische Außenministerium hat sich nur sehr kurz und ausweichend zu dem Verteidigungsbündnis geäußert[1]. Allein die Beteiligung des ‚Allwetterpartners‘ Chinas, Pakistan, und des NATO-Staates Türkei, zu dem die Beziehungen aufgrund der Uigurenfrage traditionell sensitiv sind, weist jedoch Fragen auf, die Peking mehr beschäftigen dürften.
Der ehemalige stellvertretende Leiter der Internationalen Verbindungsabteilung des ZK der KPCh, Zhou Li, zählt seit seiner Pensionierung nicht mehr zu den (ganz) offiziellen Sprachrohren des Parteiapparates. Entsprechend freier kann er sich äußern, wie in einer mehrseitigen eigenen Analyse zu dem Mekka Abkommen[2]. Sie dürfte recht gut zumindest einige chinesische Positionen wiedergeben. Mit Recht weist er darauf hin, dass das Abkommen Entwicklungen fortschreibt, die bereits früher einsetzten. Die bislang bilateralen Abkommen in Form von Verteidigungs- und Rüstungsabkommen kulminierten vorerst in einem bereits seit dem Jahr 2023 diskutierten trilateralen Vertrag, der zudem die jeweiligen Stärken der einzelnen Teilnehmerstaaten unterstreiche, insbesondere die Verbindung des Atomwaffenstaates Pakistan zur Türkei mit einer effektiven Rüstungsindustrie. Global sieht der ehemalige Spitzenkader die Abmachung als weiteres Beispiel der Ausweitung einer multipolaren Ordnung, die durch die Zweifel an der Zuverlässigkeit der USA weiter beschleunigt werde. Folglich entspreche das rein defensive Abkommen auch den Zielen der Volksrepublik, regionale Verantwortung zu stärken und die von den USA dominierte unipolare Ordnung abzulösen. In diesem Sinne entspreche es auch der von China initiierten ‚Globalen Sicherheitsinitiative‘.
Interessant wird es, wenn Zhou Li unterschiedlichen Interessen der Beteiligten beschreibt, die wenig Kohärenz aufweisen. Während Saudi-Arabien nach regionaler Vorherrschaft strebe, wolle auch die Türkei ihren regionalen Einfluss ausweiten, während Pakistan weiterhin Indien im Visier habe. Für alle drei habe zudem der Iran eine besondere Bedeutung. Zudem seien die militärischen Strukturen in allen Ländern sehr unterschiedlich, so dass sich die Wirksamkeit des Zusammenschlusses erst noch erweisen müsse. In anderen Worten: Zweifel sind angebracht.
Einer der führenden chinesischen Beobachter des Mittleren Ostens, Sun Degang, von der Shanghaier Fudan- Universität analysiert die Situation ähnlich[3]. Das Abkommen sei ein Zeichen für das steigende Misstrauen gegenüber den USA, eine weitere Entwicklung in Richtung multipolarer Ordnung und ein erster Versuch, regionale Alternativen zu schaffen. Auch für ihn ist es ein gutes Zeichen, dass die ‚westliche Hegemonie‘ die auf der Grundlage des ‚divide et impera‘ agiere, geschwächt sei.
Als Zeichen der Abkehr der drei Staaten von der westlichen Dominanz durch den Systemrivalen USA ist die chinesische Sichtweise demnach durch und durch positiv? Für den Moment scheint es, passe dies gut in die von der KP seit Jahren vorgegebene Projektion der internationalen Entwicklungen, die mit einer Abkehr von der Nachkriegsordnung, des Einflussverlustes der USA und damit zusammenhängend, einer multipolaren Ordnung einher gehen – alles zugunsten einer Stärkung der Volksrepublik. An dem Argument, dass sich damit Stabilitätsgewinne einstellen, darf Zweifel erlaubt sein. Auch ohne den Angriff der USA und Israels bestanden die latenten Bruchstellen in der Region, die nicht nur den Iran betreffen, sondern auch die einzelnen Sultanate und Königreiche im Golf, fort. Sie äußern sich in verschiedenen Stellvertreterkonflikten. Die Türkei wiederum, auch als NATO- Staat, sponsort islamistische Regime in der Region, wie den ehemaligen Al-Qa’ida Kommandanten und heutigen Präsidenten in Syrien. Uigurischen Kämpfern, die für ein unabhängiges, islamisches Xinjiang eintreten und ihn beim Kampf unterstützten, wurden zuletzt in Form von drei Brigaden in die syrische Armee integriert. In Konflikten wie dem Jemen, Sudan, die mit Waffen ausgetragen werden, bis nach Libyen sind ihre Einflüsse erkennbar. Latent konfliktträchtig sind bekanntlich auch die Beziehungen der zwei Atomwaffenstaaten Pakistan und Indien. Für Peking mag es eine Genugtuung sein, dass die USA seit Jahren und aktuell beschleunigt ihren Einfluss verlieren. Ob dies in mehr Stabilität in der Region mündet, daran dürften sich Zweifel anschließen.
[1] Und dies auch nur in Form eine Antwort während einer Routinepressekonferenz. https://www.app.com.pk/foreign-correspondent/china-welcomes-regional-cooperation-following-pakistan-saudi-arabia-turkiye-defence-agreement-2/?utm_source=chatgpt.com
[2] 周力 从麦加协议看中国家的战略自主用户之路 Aug.19 2026 https://www.aisixiang.com/data/181477.html
[3] 孙德刚等:麦加防务协议体现出中东国家的战略自主性, Aug 17th 2026 https://iis.fudan.edu.cn/07/c2/c6893a788418/page.htm

Kommentare