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Schwierige Nachbarn – China und Afghanistan

  • asia arab monitoring
  • 31. Aug. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Sept. 2025

Das sechste trilaterale Außenministertreffen zwischen China, Afghanistan und Pakistan im August warf kurz ein Schlaglicht auf ein Thema, das aktuell weniger im Fokus steht. Nachdem nach dem Rückzug der NATO vermutet wurde, dass China seinen Einfluss auf Afghanistan ausweite, bietet das Treffen eine Gelegenheit, einen Blick auf die aktuellen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu werfen. Drei Punkte lassen sich herausgreifen:


Mit beiden Staaten hat die Volksrepublik ein Terrorismusproblem. Während es in Pakistan in den letzten Jahren zu einer Reihe von Anschlägen kam, die auch auf das Konto einer Befreiungsfront für Belutschistan gingen, bleibt Afghanistan ein Raum, in dem sich jihadistische Kämpfer aus Chinas Westregion aufhalten. Sie bedeuten für Peking eine latente Gefahr, sowohl hinsichtlich der Durchführung von Infrastrukturprojekten vor Ort als auch als Trainingsraum für künftige Einsätze in China selbst. Da eine Lockerung der harten Assimilierungspolitik durch die KP trotz des teilweisen Rückbaus von Umerziehungseinrichtungen in Xinjiang nicht wirklich ersichtlich ist, kann von andauernder Unzufriedenheit unter den islamischen Minderheiten in China ausgegangen werden. Statt an Bedeutung zu verlieren, scheinen uighurische Gruppen an Stärke zu gewinnen. Ihr Erscheinungsbild auf dem propagandistischen Schlachtfeld hat in den letzten Jahren mit Buchveröffentlichungen, regelmäßigen Drohungen und Anschlägen deutlich zugenommen. In Syrien waren sie zuletzt auch am Sturz des Assad-Regimes beteiligt. Die wenig zurückhaltende Aufforderung Wang Yi’s an Afghanistan, stärker gegen Terrorismus vorzugehen, ist daher naheliegend.


IS-K Magazin mit Angriff auf chinesisches Hotel in Kabul 2023
IS-K Magazin mit Angriff auf chinesisches Hotel in Kabul 2023

In den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Afghanistan und der Volksrepublik spielt die Ausbeutung von Rohstoffen traditionell eine Rolle. Unter besonderer Beobachtung steht dabei die Kupfermine Mes Aynak, zu der bereits vor siebzehn Jahren ein Vertrag mit dem chinesischen Parteistaatsunternehmen MCC abgeschlossen wurde. Seither passierte nicht viel, was trotz des Umfangs der Vorkommen zu entsprechender Skepsis hinsichtlich der Entwicklungschancen führte. Mittlerweile ist jedoch Bewegung zu erkennen. Ein Vergleich von Satellitenbildern vom Oktober 2023 und August 2025 zeigt vergleichsweise deutlich Aktivitäten, darunter die Errichtung größerer Gebäude. Im vergangenen Jahr wurde bereits mit dem Bau der Zufahrtsstraße begonnen.


Die Erwartungen an Rohstoffgeschäfte mit Afghanistan gehen bereits Jahrzehnte zurück. Auch US-Unternehmen hatten Interesse, etwa am Amu Darya- Ölfeld, das später von dem chinesischen Ölriesen CNPC entwickelt werden sollte. Vor einigen Monaten kündigten die Taleban den Vertrag, weil sie keine Fortschritte sahen. Nun ist das Rennen wieder offen. Phantasien, einen Verkehrskorridor von China über Afghanistan bis nach Europa zu schaffen, erinnern an Pläne von Ölpipelines durch das Land, die in der Vergangenheit kursierten und weit von der Realität entfernt waren.


Politisch gingen mit dem Abzug der NATO- Truppen aus Kabul und dem Rückzug westlicher Staaten insgesamt Erwartungen einher, dass die Volksrepublik den Moment nutzen werde, ihre Stellung zu stärken1. Ähnlich wie im Falle der chinesisch- iranischen Beziehungen wurde bislang das Potential falsch eingeschätzt. Für die Taliban sind die säkularen chinesischen ‚Kommunisten‘ kein natürlicher Partner. Zudem riskieren sie Autoritätsverluste gegenüber noch radikaleren Gruppen, für die Peking Feindstatus hat. Und für die Volksrepublik ist ein radikal- islamistisches Regime vor den Türen Xinjiangs ebenfalls kein Wunschpartner.


Die formalen Beziehungen spiegeln die Situation wider. Ohne formale Anerkennung des Taliban-Regimes unterhält Peking eine Botschaft in Kabul (http://af.china-embassy.gov.cn/) und akzeptiert einen afghanischen Vertreter in Peking. Aufgrund der sicherheitspolitischen Herausforderungen, die Afghanistan für China darstellt, ist dies Mindestmaß. Außerdem entgeht Peking der latenten Kritik, Nähe zu einem von westlichen Staaten gemiedenen Regime zu zeigen.


1 Siehe dazu: Godek, Sarah: China’s Unethusiastic Economic Engagement with Taleban-led Afghanistan. Abrufbar unter: https://www.stimson.org/2025/chinas-unenthusiastic-economic-engagement-with-taliban-led-afghanistan/

 
 
 

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