Aufbruchsstimmung - Chinas Chancen im Irak
- asia arab monitoring
- 15. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Sept. 2025
Die Sicherheitslage im Irak ändert sich. Dieser Eindruck wurde aktuell auch von einem deutschen Wirtschaftsvertreter vor Ort geteilt. Zwar sind Bagdad und andere Städte des Landes weiterhin ein Eldorado für westliche Sicherheitsunternehmen, aber selbst Touristen entdecken das Land neu. Bauvorhaben prägen deutlich das Straßenbild in Bagdad. Hotelketten wie Mövenpick und Rixos rechnen mit einem Aufschwung und investieren in neue Projekte und die Menschen gehen abends aus. Die kurdische Region um Erbil sieht ohnehin bereits seit Jahren eine wirtschaftliche Renaissance. Auch ein oberflächlicher Eindruck der Reisenden auf dem Flughafen Bagdads vermittelt den Eindruck, dass ostasiatische Unternehmen das Land im Auge haben.

Wie reagiert also die Volksrepublik, die generell ihre Wirtschaftsbeziehungen zu Staaten des Mittleren Ostens ausbaut und früher gute Beziehungen zu dem Irak unterhielt, auf die sich verändernde Lage? Bereits im Jahr 2021 war der Irak mit etwa 10,5 Milliarden USD, die überwiegend in Infrastrukturprojekte flossen, der größte Adressat von Geldern aus der Neuen Seidenstraßeninitiative. Dabei profitierten zuallererst bekannte, große Parteistaatsunternehmen wie CNPC (中石油), CNOOC (中海油), die in der gesamten Region äußerst aktive China Communications Construction Company (中交集团), die Telekommunikationsriesen Huawei und ZTE sowie verschiedene andere Firmen von dem steigenden Interesse.
Bis 2024 war der Irak der drittgrößte Öllieferant Pekings, könnte aber in diesem Jahr von Russland überholt werden. Und die Handelsstatistiken sprechen eine deutliche Sprache. Während der bilaterale Handel 2021 noch eine Steigerung von 2,8 % aufwies1, waren es 2022 beachtliche 43,1 % und 2024 immerhin über 14%. Und die Entwicklung dürfte weitergehen. Zwischenzeitlich übernahm die bereits erwähnte CNPC die Rechte für ein Ölfeld bei Basra von ExxonMobile, wenige Monate nachdem die Volksrepublik in Basra Ende 2023 ein Generalkonsulat eröffnete – neben dem Iran, Russland, Ägypten, Kuwait und der Türkei.
Basra bietet sich als Vertretung Pekings auch deshalb an, weil chinesische Firmen in der Entwicklung des etwa einhundert Kilometer entfernten Hafens al Faw2 am Persischen Golf beteiligt sind. Power China mit einer Meerwasserentsalzungsanlage, Norinco – besser bekannt als Rüstungsanbieter – mit Raffinerietechnik und und die China National Chemical Engineering bei Infrastruktur, alles natürlich Parteistaatsunternehmen, gehören dazu. Al Faw ist zudem Ausgangspunkt einer anvisierten Landverbindung über die Türkei bis zum Mittelmeer, die aufgrund der politischen Gesamtsituation in der Region noch skeptisch beurteilt wird.

Was wirtschaftlich interessant und gewinnbringend aussieht, ist politisch dagegen umso komplexer. Der Wunsch nach Stabilität nach Jahren innerer Auseinandersetzungen nicht nur zwischen unterschiedlichen Ethnien und Religionsgemeinschaften, sondern auch innerhalb der einzelnen Gruppen, sorgt für Zurückhaltung. Zwar sind die kurdischen Parteien, die mit den Familiennamen der Barzanis und Talabanis verbunden sind, die unterschiedlichen Kräfte innerhalb der Shiiten, die sich an Vertretern wie as-Sadr und as-Sistani festmachen lassen und verschiedene politische Ausrichtungen innerhalb der Sunniten weiterhin zerstritten, das gemeinsame Ziel, das Chaos, das die teilweise Besetzung durch den sogenannten ‚Islamischen Staat‘ gebracht hat, zu überwinden, dürfte allen gemein sein. Es zeigt jedoch zugleich die komplexe Lage des Landes, mit der auch China konfrontiert ist.

Das Bild chinesischen Vorgehens wiederholt sich: Chinesische Parteistaatsunternehmen, deren von der Organisationsabteilung der KP ernannte Manager sich eine andere Sicht auf Risiken leisten können, als westliche Aktiengesellschaften, nutzen - unterstützt durch einen effektiven, global aufgestellten Apparat – früh Chancen, die wirtschaftliche Vorteile erwarten oder zumindest erhoffen lassen. Westliche Sicherheitsfirmen verdienen weiterhin gutes Geld mit einer als hochriskant wahrgenommenen Gefährdungslage.
1 Zahlen stammen aus den Statistiken des chinesischen Handelsministerium
2 Zum Entwicklungsstand siehe: https://x.com/PDChinese/status/1960879618627658097 oder https://www.cnss.com.cn/html/gkqy/20250903/357808.html
Kommentare