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DF-15 versus F-35

asia arab monitoring
3. Okt.
3 Min. Lesezeit

Zur chinesisch- amerikanischen Konkurrenz in Saudi- Arabien


Verschiedene, das Außenverhältnis Saudi- Arabiens betreffende Entwicklungen im vergangenen Vierteljahr sind es Wert, etwas genauer betrachtet zu werden. Dabei sind unterschiedliche Themen betroffen, darunter Rüstungsimporte sowie der Aufbau eines zivilen Nuklearprogramms. Eine Gemeinsamkeit lässt sich jedoch rasch erkennen. Das Pendel schwingt zwischen Peking oder Washington.


Mitte September wurden Reste einer chinesischen Dongfeng – 15 (DF-15) im Jemen in der Nähe von Marib entdeckt. Sie wurde vermutlich bei Angriffen auf die jemenitischen Houthis eingesetzt. Die Region um Marib ist Frontgebiet in der Auseinandersetzung zwischen Houthis und der von Riad gestützten jemenitischen Regierung. Interessanter als die vermeintliche Überraschung über chinesische Raketen in saudischen Munitionslagern ist eher die Geschichte der Waffenlieferungen, die bereits in die 1980er Jahre zurückreichen, eine Zeit, in der Riadh noch bilaterale Beziehungen zu Taiwan unterhielt! Die DF-15 stammt technologisch aus dieser Zeit. Der Grund, weshalb Saudi- Arabien damals in Peking einkaufte, war eine Zurückhaltung im Westen, dem Golfstaat entsprechende Offensivwaffen zu überlassen. China bot sich als Alternative an.

 

Heute dürfte eher von Interesse sein, ob die DF-15 ihre Einsatztauglichkeit unter Beweis stellte. Bereits im vergangenen Jahr erfüllte ein chinesisches Anti-Drohnensystem unter saudischen Wüstenbedingungen nicht die Erwartungen. Wie kürzlich eine Übung in Ägypten, in der chinesische J-16 Kampfflugzeuge gegen Rafale[1] aus französischer Produktion antraten, zeigte, versuchen Pekings Rüstungskonzerne sehr aggressiv ihre Systeme als Alternativen zu platzieren. Zweifel an der Qualität wären hier hinderlich.

 

Der Aufbau eines zivilen Nuklearprogramms in Saudi-Arabien ist bereits ebenfalls seit Jahren ein Thema. Im Prinzip hat Riad sowohl mit Peking als auch mit Washington Vereinbarungen dazu getroffen. Mit China gehen die verschiedenen Abkommen bis in das Jahr 2012 zurück und betreffen unter anderem auch die Exploration von Uran in Saudi- Arabien (gemeinsam mit der China National Nuclear Corporation). Die Versuche Washingtons diesen zunehmenden Einfluss der Volksrepublik zurückzudrängen, führte in den vergangenen Jahren zu verschiedenen Initiativen. Auch die Regierung Biden verfolgte einen, falls man amerikanischen Medienberichten trauen kann, ‚umfassenden‘ Ansatz, gegenüber Saudi- Arabien, der die Zurückdrängung Pekings mit der Verbesserung der saudisch- israelischen Beziehungen verband. Zu den existierenden US- amerikanischen Plänen kommt als neueste Entwicklung das Angebot zur Lieferung von Atommeilern hinzu, das zugleich an die Normalisierung der Beziehungen zu Tel Aviv gekoppelt sein soll[2]. Zugleich sieht es weitreichende Zugeständnisse Washingtons vor, die noch gesetzlich verankert werden müssen.

 

Das saudische Nuklearprogramm spielt sich vor der Kulisse einer chinesisch- US-amerikanischen Konkurrenz ab; für Riad, das insbesondere an Technologietransfer für seinen Wirtschaftsumbau interessiert ist, durchaus eine vorteilhafte Position. Während aus Peking keine Bedingungen bekannt sind, will Washington zugleich Israels Position in der arabischen Welt stärken. Saudi- Arabien hat seinerseits die unrealistische Umsetzung der Zwei-Staaten- Lösung für Palästina zur Bedingung gemacht. Die Strategie des Weißen Hauses zwei komplexe Vorgänge zu verbinden, ist schwer nachzuvollziehen. Im Vergleich zum Vorgehen Chinas verringern sie die Realisierungschancen der Projekte und bieten Peking eine vorteilhafte Ausgangslage. Und selbst für den Fall, dass der führende Partner beim saudischen Nuklearprogramm die USA würden, ist bereits der aktuelle Prozess Hinweis genug, wie sehr Peking die Spielregeln beinflusst.

 

Auch eine andere Entwicklung mag hierzulande von Interesse sein. Im September hat die saudische E-Auto-Firma CEER ihre ersten Modelle vorgestellt. Riadh versucht seit Jahren eine entsprechende Produktion aufzubauen, wobei es einige Rückschläge hinnehmen musste. An diesem Joint Venture, das der saudische Staatsfond PIF finanziert, ist das taiwanesische IT- Unternehmen Foxconn und unter anderem auch BMW beteiligt (Quelle: Reuters). Während in den vergangenen Jahren Pläne mit chinesischen Nischenanbietern im E-Auto- Bereich lautlos zu den Akten gelegt wurde, ist bei CEER mit Foxconn ein Unternehmen beteiligt, das ebenfalls große Produktionsstätten in der Volksrepublik unterhält. Es ist ein Beispiel für wirtschaftliche Kooperationen, die zeigen, dass die geopolitischen Überlegungen zu ‚decoupling‘ an der Realität vorbeigehen.


[1] Seit im pakistanisch- indischen Grenzkonflikt chinesische Kampfflugzeuge aus pakistanischer Produktion eine Überlegenheit über französische Rafale der indischen Armee zeigten, ist dies zum chinesischen Vermarktungsargument geworden.

[2] Die Bedingung der Anerkennung Israels soll nicht Vertragsgegenstand, sondern eine zusätzliche Bedingung der Trump- Administration sein.


 
 
 

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